Thomas von Feuerhaken.org hat zur Blogparade über das Wahljahr 2010 aufgerufen.
Ich zitiere die “Aufgabenstellung”:
Ich würde mich sehr freuen, wenn viele politikinteressierte Blogger_innen, so wie ich im Folgenden, einen Tipp für das Wahljahr 2010 abgeben. Sicher gibt es viel zu viele unbekannte Werte, um eine seriöse Prognose zu machen. Aber eine halbseriöse basierend auf politischem Wissen und Annahmen einer gleichförmigen Weltentwicklung, können auch ganz gut sein. Und vor allem interessant. Außerdem gibt es in der österreichischen Politik-Blog-Szene eh relativ wenig Interaktion.
Wie es sich für eine Blogparade gehört, wird es eine Endauswertung geben. Diese werde ich am 31. Jänner 2010 vornehmen, womit das Enddatum gesetzt ist. [...]
Genau das will ich nun – spät aber doch – im Folgenden versuchen…
Nicht nur Pilzsuppe kann braun sein – ein Ausblick auf das Wahljahr 2010.
Gemeinderatswahlen
Vorarlberg
In Vorarlberg wird sich nichts ändern. Egger’s “Exiljuden”-Sager schadet der FPÖ in keinster Weise. ÖVP und FPÖ verstehn sich nach wie vor super, die ÖVP bleibt gleichauf, gewinnt vielleicht einen kleinen Teil der SPÖ-Stimmen dazu, die Grünen behalten ihre vier Sitze. Alle anderen Parteien bleiben weiterhin bedeutungslos.
Tirol
…ist ein ganz eigenes Land. In den Reden aller Kandidat_innen wird Andreas Hofer mindestens zwei Mal vorkommen. Verschiedene rechte “Feiheitskämpfer”-Clubs werden Wahlempfehlungen in Richtung ÖVP und FPÖ abgeben, offiziell aber kaum an Einfluss gewinnen. Die SPÖ steigt noch schlechter aus und verliert in Richtung FPÖ.
Niederösterreich
Auch NÖ bleibt zutiefst Schwarz. Der Trend zur FPÖ geht weiter, die SPÖ verliert an FPÖ und Grüne. Erwin Pröll ärgert sich insgeheim, nicht Bundespräsident werden zu wollen – die Wähler_innen wären da. So aber sieht er sich als uneingeschränkter Landesfürst bestätigt.
Steiermark
Die SPÖ hat in der Steiermark vor allem damit zu kämpfen, dass sie zu wenige Kandidat_innen hat. Auch wenn die Plattform der roten Gemeindevertreter_innen recht cool ist, ansehen tut sie sich niemand, der/die nicht bereits aus dem SPÖ-Wähler_innenpool kommt. Die ÖVP wird wenig überraschend hinzugewinnen und gestärkt in den Landtagswahlkampf ziehen – zwar mit dem schwächsten Spitzenkandidaten, aber mit mehr schwarzen Gemeinden im Rücken. Sowas lässt sich gut verkaufen.
Das rote Mur/Mürz-Gebiet wird blauer. In kleineren Ortschaften wird es steiermarkweit vorkommen, dass Leute die FPK wählen wollen, sie aber nicht am Stimmzettel finden.
Bundespräsident
Heinz Fischer wird’s ein zweites Mal, die FPÖ tritt im letzten Moment noch an, die ÖVP ärgert sich, das nicht auch getan zu haben. Erwin und Joseph Pröll reden zwei Wochen nicht miteinander, feiern ihre Versöhnung aber mit Raiffeisen-Funktionär_innen groß auf einem Buschenschank. Die FPÖ tritt nicht mit Barbara Rosenkranz an, auf der Wahlwerbung wird sowieso nur Strache zu sehen sein.
Burgenland
Grün bleibt mit zwei Sitzen im Landtag, die SPÖ verliert zwei an die ÖVP und einen an die FPÖ, bleibt also nur knapp stimmenstärkste Partei. HC Niessl lädt auch zum Buschenschankbesuch und feiert “einen Erdrutschsieg”, welcher nur mit richtigem Programm möglich war. Auch ich glaube nicht an ein BZÖ im Burgenland.
Steiermark
Noch kurz vorm Wahltag werden Krone und Kleine Zeitung an Kopf-an-Kopf-Rennen heraufbeschwören. Durch die Schwächen Schützenhöfers (technisch wie inhaltlich) gewinnt die SPÖ zwar mit Franz Voves, benötigt jedoch die FPÖ, um weiterhin den LH stellen zu können. Es hagelt Parteiaustritte, über die zwei Monate später jedoch niemand mehr sprechen wird. Die FPÖ wird also wieder in den Landtag einziehen, ihre Stimmen kommen aus dem roten wie auch aus dem schwarzen Lager. Die KPÖ verliert und zieht sich schmollend mit ein paar Büchern von Lenin und Stalin in ihre Volxhäuser zurück, bleibt an der Grenze der Bedeutungslosigkeit im Landtag. Das BZÖ mit Gerald Grosz erlangt einen Achtungserfolg.
Wien
Die Taktik der Grünen wird teilweise aufgehen, teilweise nicht. Sie werden zwar ein wenig stärker (vor allem durch die sich abwendenden SPÖ-Wähler_innen), erreichen ihr Ziel aber nicht. Michael Häupl kommt zur Wahlergebnisverkündung gerade vom Heurigen und freut sich um so mehr über die knapp geschaffte absolute, die eine Fekter-mäßige ÖVP nicht brechen konnte. Die FPÖ wird in den äußeren Bezirken zwar geringfügig hinzugewinnen, in der Innenstadt jedoch eher an Bedeutung verlieren. Strache wird also doch nicht Bürgermeister und arbeitet in den Diskos an weiteren Comics & Islamseminaren.
Peppi Bucher ärgert sich ganz Orange, sie habens wieder nicht geschafft.
Abschließend bliebe also zu sagen, dass die SPÖ weiterhin verlieren wird, die FPÖ gewinnt wenig überraschend hinzu und nur in der Steiermark gibt es außer in Kärnten noch ein BZÖ (obwohl die sich ja auch nie so sicher sind). Die Grünen feiern, dass sich fast nichts verändert hat.

[...] Klemens Wieringer stellt seinen Ausblick auf 2010 unter das vielsagende Motto “Nicht nur Pilzsuppe kann braun sein”. Er erwartet sich für die drei zur Wahl stehenden roten Landeshauptmänner mehr oder weniger “blaue” Augen, richtig schlimm wird es aber nur im Burgenland. [...]
[...] Christopher, Klemens und ich haben Tipps für die Gemeinderatswahlen abgegeben, und sind mehr oder weniger stark [...]