Posted on Feb 3, 2010

Worte trennen Menschen?

Die Kölümnenautorin Deniz Başpinar (http://www.zeit.de/themen/serie/index?q=koeluemne) überzeugt immer wieder durch ihre besonders scharfsinnigen Analysen und differenzierten Aussagen, wie die Kölümnentitel wohl ausreichend darlegen dürften: “Flirten mit Allahs Segen” oder “Ein Fest nach unserem Geschmack”. Wie vor allem letzter Titel zeigt, ist es ihr ein besonderes Anliegen die vielen Menschen mit Migrationshintergrund nicht einen Topf zu werfen.
In ihrer neuesten Kölümne (man achte auf die wirklich spitzfindige Verarbeitung von Klischees) beschwert sich die Autorin nämlich über die Verwendung des politisch korrekten Ausdrucks “Migrationshintergrund”. Er teile “die in Deutschland lebenden Menschen in ein “Wir” und ein “Ihr” ein.”
Die Idee für eine solche Kolumne haben ihr anscheinend soziologische Untersuchungen, die strukturell bedingte Unterschiede zwischen Menschen mit und Menschen ohne Migrationshintergrund aufzeigen, geliefert.
Klar, ich will nicht, dass Menschen in Gruppen zusammengeschlossen werden und  dadurch ein “Wir/Sie”-Gefühl erzeugt wird, so etwas nennt man nicht umsonst rassistisch.
Aber eine Analyse über den Zustand der Gesellschaft zu bieten, die zeigt, dass eben Unterschiede bestehen, ist nicht diskriminierend oder rassistisch, sondern absolut notwendig, um daraus weitere Schlüsse zu ziehen und politische Handlungen folgen zu lassen.

Liebe Deniz, während Ausländer, Gastarbeiter, kurz Nicht-Deutsche, Nicht-ÖstereicherInnen und sie betreffende Probleme bisher einfach negiert wurden, stellt man sich in Deutschland endlich dieser Tatsache. Es wird endlich hingesehen auf die vielen Menschen, die zwischen Identitäten stehen, es wird gesehen, dass es strukturell rassistische Gesetzgebungen gab und gibt und dass die Politik einige große Fehler gemacht hat.
Seien wir doch einfach ein bisschen dankbar und machen das Beste draus.

Übrigens:

Die Bezeichnung Migrationshintergrund kommt politisch korrekt daher, klingt nicht so prollig wie “Ausländer”, meint aber trotzdem: “Der ist eigentlich ist gar kein Deutscher!” Diese Zuweisung verhindert auch, dass jeder in Deutschland lebende Mensch sich selbst definieren kann.

Von “den Türken” zu sprechen, (mich wundert es, dass sie nicht “wir Türken” gesagt hat) schafft aber auch Gruppen und fördert nicht den Individualismus des/der Einzelnen, sondern nimmt genauso die Möglichkeit, sich selbst zu definieren oder schafft viel eher noch einen Zwang sich definieren zu müssen.
Ich führe jetzt auch nicht weiter aus, dass sie damit auch die weiblichen Geschöpfe dieser homogenen Masse “Türke” vollkommen ignoriert.

Zu guter Letzt ein Bibelzitat: “Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.”
Und ein Rat: Verwende dein Gehirn und sündige hinfort nicht mehr.